Klassenfahrten und Schulausflüge stellen für Schülerinnen und Schüler eine tolle Abwechslung zum Schulalltag dar. Neben dem unterrichtsbezogenen Tagesprogramm bietet der meist mehrtätige Aufenthalt in fremder Umgebung auch zahlreiche Anreize für die Freizeitgestaltung. Besonders bei Fahrten in Großstädte werden viele Schülerinnen und Schüler den Wunsch äußern, abends feiern gehen zu dürfen. Doch was kann die Lehrkraft hier erlauben und wo liegen die Grenzen der Freizeitgestaltung?

Wie ist die Aufsichtspflicht auf Klassenfahrten geregelt?

Die Aufsicht sowohl über minderjährige als auch über volljährige Schülerinnen und Schüler gehört zu den Dienstpflichten der Lehrkraft. Sie ist zeitlich und räumlich auf den schulischen Bereich begrenzt. Im Zusammenhang mit Klassenfahrten, welche rechtlich als Schulveranstaltungen gelten, bedeutet dies: Die Lehrkraft muss alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler kontinuierlich, aktiv und präventiv beaufsichtigen. Das Merkmal kontinuierlich heißt aber nicht, dass ständig alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer „im Auge“ behalten werden müssen. Es reicht aus, wenn sich alle Schülerinnen und Schüler durch die Anwesenheit der Lehrkraft beaufsichtigt fühlen. Das Schulministerium NRW hat die Aufsicht bei Klassenfahrten in einem Erlass aus dem Jahr 1997 geregelt:

Art und Umfang der Aufsicht haben sich nach den jeweiligen Gege- benheiten zu richten; mögliche Gefährdungen sowie Alter, Entwick- lungsstand und Ausprägung des Verantwortungsbewusstseins der Schülerinnen und Schüler, bei Schülerinnen und Schülern mit Behin- derungen oder chronischen Erkrankungen auch die Art der Beein- trächtigung, sind zu berücksichtigen.

Daraus wird klar, dass die Intensität der Aufsicht sich immer nach den jeweiligen Umständen richten muss. Es dürfte klar sein, dass Grundschüler eine deutlich intensivere Aufsicht bedürfen als volljährige Gymnasiasten. Weiter heißt es in dem Erlass:

Die Leiterin oder der Leiter kann den Schülerinnen und Schülern unter Beachtung der dargestellten Grundsätze und nach vorheriger Absprache mit den Eltern die Möglichkeit einräumen, im Rahmen der Schulfahrt zeitlich und örtlich begrenzte, angemessene Unternehmungen (in der Regel in Gruppen) durchzuführen, ohne dass dabei eine Aufsichtsperson jede Schülerin oder jeden Schüler überwacht. Auch bei nicht unmittelbar beaufsichtigten Unternehmungen muss eine Begleitperson jederzeit erreichbar und ansprechbar sein.

Insofern ist es durchaus erlaubt, Schülerinnen und Schüler auch mal alleine bzw. in Gruppen losziehen zu lassen, ohne dass sie ständig beaufsichtigt werden. Dies muss aber zuvor mit den Eltern abgesprochen sein und darf sich nur auf begrenzte Orte und Zeiträume beziehen.

Können Schülerinnen und Schüler abends alleine feiern gehen?

Beachtet man die oben dargestellten Grundsätze, darf eine Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler auch abends mal alleine feiern lassen. Aus Gründen der Haftung empfiehlt sich allerdings, auf einige Punkte zu achten:

  • Diese Art der Freizeitgestaltung ist generell nur für ältere Schülerinnen und Schüler möglich und muss vorher mit den Eltern abgesprochen werden.
  • Zeitlicher und örtlicher Rahmen müssen klar definiert werden.
  • Die gesetzlichen Regeln (Jugendschutz, Alkoholverbot, Rauchverbot etc.) müssen zwingend beachtet werden.
  • Die Lehrkraft muss für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer jederzeit erreichbar sein.

Wichtig: Die Regelung im Erlass des Schulministeriums NRW entbindet die Lehrkraft nicht von ihrer kontinuierlichen Aufsichtspflicht während der Klassenfahrt. Daher ist sie auch für die Einhaltung der oben genannten Punkte verantwortlich, was in der Praxis schwierig werden dürfte. Aus diesem Grund bieten einige Clubbetreiber bieten mittlerweile gesonderte Schülerpartys an, auf denen diese Regeln gut eingehalten werden können.

 

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